Zeit, Vorzeit und die Narrativierung von Geschichte in der Kaiserchronik
Der Beitrag führt die Gestaltungsunterschiede, die in der Kaiserchronik zwischen den beiden Teilen bis bzw. nach Karl dem Großen bestehen, auf spezifische Konzeptionen von Zeit und römischer Kaisergeschichte zurück. Gezeigt wird zum einen, wie der Geschichtserzählung der Kaiserchronik das Konzept von Zeit als einer Reihe disjunkter Zeitspannen zugrunde liegt, die anhand von paradigmatischen Isotopien miteinander verbunden und ineinander geblendet werden können. Zum anderen wird nachvollzogen, wie der Text als Ziel der römischen Kaisergeschichte die Trägerschaft der Deutschen profiliert und dass innerhalb dieses Geschichtskonzepts der vordeutsche Teil der Reichsgeschichte als unerfüllte Epoche erscheint. Die These ist, dass das in der konzeptuellen Unerfülltheit liegende Sinndefizit dieser Epoche durch eine narrative Sinnproduktion in den einzelnen Episoden der vordeutschen Kaiser ausgeglichen wird.
This article traces the differences in features which exist in the two halves of the Kaiserchronik (Chronicle of the Emperors) up to and following Charlemagne back to specific concepts of time and the history of the Roman emperors. It shows firstly how the historical narrative of the Kaiserchronik is based on the concept of time as a series of separate periods which are linked by paradigmatic isotopies and can be blended together. Secondly it shows how the text depicts the history of the emperors as destined to the German holders of the office, and that in this view the pre-German part of the history of the Empire appears as an unfulfilled period. The thesis of this article is that the meaning deficit which lies in the conceptual unfulfilment of this period is compensated by a production of meaning in the narrative of the individual episodes on the pre-German emperors.
Seiten 321 - 353
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