| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2026 |
| Veröffentlicht: | 2026-06-18 |
Der Aufsatz untersucht Werke deutschsprachiger Schriftstellerinnen um 1800 in Hinblick auf Bedingungen und Strategien von Autorinnenschaft. Die Untersuchung zeigt, dass sich die Bedingungen weiblichen Schreibens signifikant von denen männlicher „Werkpolitik“ (Martus) unterscheiden, weshalb wir den Begriff „Schriftpolitik“ für angemessener halten, um ihre gleichwohl strategischen Praktiken zu beschreiben.
Die Erzählung „Lotti, die Uhrmacherin“ von Marie von Ebner-Eschenbach verhandelt anhand zweier Leseszenen den Wandel von Rezeptionsmodi und Autorschafts-funktionen im Kontext des sich ausdifferenzierten modernen Literaturbetriebs.
Der Beitrag zeigt, dass Hanns Heinz Ewers’ Erzählung „Der strahlende Mann“ (1925) eine literarische Medientheorie entwickelt. Unter Rückgriff auf mediengeschichtliche Überlegungen zur vermehrt drahtlosen Telekommunikation und unter Berücksichtigung der konkreten medialen Situation ihrer Publikation wird „Der strahlende Mann“ als ein Text lesbar, der die mediale Konstellation der 1920er reflektiert und nach ihrem Mythos fragt.
Der Beitrag untersucht die Bedeutung von Bachofens theoretischer Schrift „Das Mutterrecht“ für Thomas Manns „Erwählten“ und zeigt, dass zentrale Begriffe und Konzepte von Bachofens Theorie tief in Struktur, Symbolik, Erzählperspektive und -stil des Romans eingewoben sind.
Paul Celans Besuch der etruskischen Nekropole von Cerveteri während eines Rom- Aufenthalts im Jahr 1964 findet einen (zweiten) Widerhall in dem drei Jahre später entstandenen Gedicht „Die Ewigkeit“, das den Gedanken an Cerveteri mit der Vorstellung der Vernichtungslager überblendet und zum Erlöschen bringt.
Der Artikel untersucht die poetologische Signifikanz des Todes in Wolf Haas’ Roman „Eigentum“. Anlass des Erzählens ist das Sterben der Mutter – der Tod bildet die Quelle der literarischen Erinnerungsarbeit und der textuellen Selbstreflexion. Zugleich hängt er aufs Engste mit der titelgebenden Thematik des Eigentums und des Geldes zusammen.
Das Buch von Nacim Ghanbari, entstanden als Habilitationsschrift an der Universität Siegen, untersucht die soziale Praxis und Institution der Patronage als eine der zentralen Ermöglichungsbedingungen literarischer Produktion und Öffentlichkeit im deutschsprachigen Raum des 18. Jahrhunderts. Patronage wird definiert als „eine Form der sozialen, materiellen und ideellen Förderung, die eine asymmetrische Beziehung zwischen Patron (Patronin) und Klient (Klientin) schafft“.
In seiner 1853 erschienenen „Aesthetik des Häßlichen“ räumte Karl Rosenkranz der Karikatur einen breiten Raum ein. In der Tat: Karikaturen hatten – nicht zuletzt bedingt durch technische Neuerungen und durch Innovationen im Buchmarkt – in den Jahren zuvor eine rasante Karriere erfahren.
Kira Kaufmanns Gesamtdarstellung der „Wechselwirkungen zwischen Okkultismus und Literatur“ der Wiener Moderne stellt eine Pionierleistung dar, wie sie in der Germanistik bislang nur für Spiritismus und Moderne in München und Berlin erbracht worden ist. Viele Fragen zu Spiritismus, Theosophie, Parapsychologie und den Literaturen von Europa, Nord- und Südamerika zwischen 1850 und 1950 sind offen – oder allererst zu stellen.
Schon in der griechischen Antike werden Reihenbildungen als Grundformen des Zusammenhangs und der Kontinuität in unterschiedlichen Wissenschaften wie der Mathematik, der Philosophie, der Biologie, aber auch der Geschichtswissenschaft und der Poetik diskutiert und halten sich als grundlegendes Konnektivitätsmoment in Theorie und Praxis bis heute.
Eva Blome nimmt in ihrer Greifswalder Habilitationsschrift einen aktuellen Trend in der Literaturwissenschaft auf, die Wiederkehr des Begriffs der ,Klasse‘, die spätestens seit Didier Eribons „Retour a Reims“ (2009) und den autofiktionalen Werken von Annie Ernaux gerade in der Autobiographieforschung zu Neuperspektivierungen geführt hat.
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