BUCHBESPRECHUNGEN
Guido Schneider, er nam den spiegel in die hant, als in sîn wîsheit lêrte. Zum Einfluß klerikaler Hofkritiken und Herrschaftslehren auf den Wandel höfischer Epik in groß- und kleinepischen Dichtungen des Stricker, Essen 1994 (Item Mediävistische Studien/Item medieval Studies 1).
Helmut Brall
Die Essener Dissertation von 1992 widmet sich einer Anzahl der durchweg bekannteren Texte des Stricker, dem „Pfaffen Amîs“, dem „Daniel von dem blühenden Tal“, der „Klage“, den „Minnesängern“ und der „Frauenehre“. Diese Denkmäler, allen voran der „Pfaffe Amîs“, haben in der germanistischen Mediävistik gerade bei der Entwicklung neuer Frageansätze und methodischer Konzepte sowie bei deren kritischer Diskussion große Aufmerksamkeit gefunden. Schon seit geraumer Zeit steht dementsprechend nicht allein die detaillierte literaturgeschichtliche Einordnung von einzelnen Dichtungen dieses Autors im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses, sondern auch die Erforschung des Werkzusammenhangs und der Gründe für den vom Stricker eingeleiteten Wandel der literarischen Ausdrucksformen mhd. Dichtkunst in der Zeit nach etwa 1220/30. Das bringt zwangsläufig die bei volkssprachlichen mittelalterlichen Dichtungen so schwer rekonst¬ruierbare, häufig auch ganz verschlossene historische Individualität der Autoren ins Gespräch. Bei einem so vielseitigen und versierten Autor wie dem Stricker, in dessen Werk sich die verschiedensten Traditionen, Gattungen und Erzählformen finden, stellt sich die Frage nach dem sinngebenden Mittelpunkt seines Werkes offenbar mit ganz besonderer Dringlichkeit. Diese Herausforderung an die Literaturgeschichte, eine Konstante der Strickerforschung seit Ludwig Jensen und Gustav Rosenhagen, nimmt auch die hier anzuzeigende Arbeit an.
(Seite 124 - 127)
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