BUCHBESPRECHUNGEN
Matthias Harder, Erfahrung Krieg. Zur Darstellung des Zweiten Weltkrieges in den Romanen von Heinz G. Konsalik. Mit einer Bibliographie der deutschsprachigen Veröffentlichungen des Autors von 1943–1996 (Epistemata – Würzburger wissenschaftliche Schriften. Reihe Literaturwissenschaft, Band 232). Königshausen & Neumann, Würzburg 1999.2
Volker C. Dörr
Eine Monographie über den Trivialautor Konsalik? Auf welchen Hund will die germanistische Literaturwissenschaft eigentlich noch kommen? – Bei dieser Reaktion mögen sich nicht wenige ertappen, und sie führt direkt auf das Forschungsinteresse von Matthias Harders Dissertation (FU Berlin 1997). Denn es ist natürlich überhaupt nicht klar, warum über Autoren von gemeinhin als trivial etikettierter Literatur nur dann wissenschaftlich gearbeitet werden kann oder gar muß, wenn ihre Textproduktion Aufschluß über Sozial-, Kultur- oder Mentalitätsgeschichte sonst vermeintlich goldener Zeiten wie des 18. Jahrhunderts (Kotzebue!) zu geben verspricht. Die Bücher, die Heinz Günther höchst erfolgreich unter dem ‚Markennamen‘ „Heinz G. Konsalik“ (und einigen anderen) absetzt, stellen nicht nur deswegen ein eigentlich schwer zu übersehendes Faktum dar, weil sich ihre Gesamtauflage zu der immensen Quantität von 85 Millionen addiert.
Weniger der literarischen Qualität von exemplarischen Texten Konsaliks gilt Harders Untersuchung; der Verfasser läßt keinen Zweifel daran aufkommen, daß auch er die Texte für ästhetisch wenig anspruchsvoll hält. Ihm geht es vielmehr um ihre Funktion: als – im Anschluß an Stierle und Gumbrecht – Formen sozialen und kommunikativen Handelns. Harder sieht eine „Mythisierung“ von Geschichte am Werk, die „zugleich […] typische Handlungs- und Erfahrungsmuster [liefere], die vom Rezipienten einer jeweils eigenen Erfahrungsproduktion als Folie unterlegt werden (können)“ (S. 21f.). Es leuchtet, im Blick auf die Eigenheiten der deutschen Geschichte wie des Textuniversums Konsaliks, unmittelbar ein, daß die „Erfahrung Krieg“ hier in mehrfacher Hinsicht einschlägig ist.
Weniger der literarischen Qualität von exemplarischen Texten Konsaliks gilt Harders Untersuchung; der Verfasser läßt keinen Zweifel daran aufkommen, daß auch er die Texte für ästhetisch wenig anspruchsvoll hält. Ihm geht es vielmehr um ihre Funktion: als – im Anschluß an Stierle und Gumbrecht – Formen sozialen und kommunikativen Handelns. Harder sieht eine „Mythisierung“ von Geschichte am Werk, die „zugleich […] typische Handlungs- und Erfahrungsmuster [liefere], die vom Rezipienten einer jeweils eigenen Erfahrungsproduktion als Folie unterlegt werden (können)“ (S. 21f.). Es leuchtet, im Blick auf die Eigenheiten der deutschen Geschichte wie des Textuniversums Konsaliks, unmittelbar ein, daß die „Erfahrung Krieg“ hier in mehrfacher Hinsicht einschlägig ist.
(Seite 315 - 317)
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