AUFSÄTZE
FASTNACHT UND ENDZEIT
Hedda Ragotzky
Im Vergleich zu den detaillierten Untersuchungen, die die Gestalt des Antichrist im Forschungskontext des geistlichen Spiels erfahren hat, erscheint das Auftreten dieser für das mittelalterliche Zeitverständnis zentral wichtigen Figur im vorreformatorischen Fastnachtspiel weiterhin erklärungsbedürftig. Ziel des Beitrags ist es, an zwei Nürnberger Fastnachtspielen des 15. Jahrhunderts, „Des Entkrist Vasnacht“ und „Der Herzog von Burgund“ von Hans Folz, zu zeigen, wie das für die frühe Tradition gattungsbestimmende Prinzip fastnächtlicher Verkehrung und die heilsgeschichtliche Verkehrung, die für die Antichrist-Figur prägend ist, miteinander in Beziehung gesetzt werden und wie beide Spiele – im Hinblick auf das politische Potenzial fastnächtlich ‚verkehrter Welt‘ – unterschiedliche Situationen endzeitlicher Fastnacht inszenieren.
In comparison to the detailed studies which have been done on the figure of the Antichrist in religious plays, the role of this figure, which is central to our understanding of medieval times, in the pre-Reformation Fastnachtspiel is still not fully understood. The article examines two 15th century Fastnachtspiele from Nuremberg, “Des Entkrist Vasnacht” and “Der Herzog von Burgund” by Hans Folz, and shows how the principle of carnevalistic reversal, which was fundamental to the genre in the early tradition, and reversal in the history of salvation, which characterises the Antichrist figure, can be related to one another. It is also shown how the two plays stage different situations in eschatological Fastnacht with regard to the political potential of a carnevalistic topsy-turvy world.
In comparison to the detailed studies which have been done on the figure of the Antichrist in religious plays, the role of this figure, which is central to our understanding of medieval times, in the pre-Reformation Fastnachtspiel is still not fully understood. The article examines two 15th century Fastnachtspiele from Nuremberg, “Des Entkrist Vasnacht” and “Der Herzog von Burgund” by Hans Folz, and shows how the principle of carnevalistic reversal, which was fundamental to the genre in the early tradition, and reversal in the history of salvation, which characterises the Antichrist figure, can be related to one another. It is also shown how the two plays stage different situations in eschatological Fastnacht with regard to the political potential of a carnevalistic topsy-turvy world.
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