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AUFSÄTZE

Subjektivität, Fiktion und Realität in Reinmars Frauenliedern

Kennzahl zfdph_20060304
Harald Haferland
 
Reinmars Frauenlieder lassen sich zum Testfall für Lyriktheorie machen: Es muss und kann nicht immer der Dichter sein, auf den die in ein Gedicht eingelassene Subjektivität zu beziehen ist. Als von Reinmar hergestellte (männliche) Konstrukte weiblicher Subjektivität bieten die Fauenlieder aufgrund ihrer Gattungskonstituenten gleichwohl Subjektivität in höchster Kondensation. Sie bilden aber auch einen Testfall für die Beschreibung mittelalterlicher Lieddichtung, denn dieses Resultat besagt nichts gegen eine ‚biographische‘ Anbindung des Minnesangs. Liedinhalte als Konstrukte sind nicht gleich auf Instanzen, rein sprachlich-rhetorische Strategien, Stimmen und Diskursprodukte zu beziehen und zu reduzieren.

Reinmar’s Frauenlieder (Women’s songs) can be made into a test case for a theory of lyric poetry. It does not need to be and cannot always be the poet, to whom the subjectivity contained in the poem refers. Nevertheless, as (male) constructs of female subjectivity created by Reinmar, the Frauenlieder contain subjectivity in its most condensed form because of their genre constituents. They also form a test case for the description of medieval song writing, because this result does not speak against ‘biographical’ connections in Minnesang. The content of songs as constructs cannot be directly related or reduced to authorities, purely linguistic-rhetorical strategies, voices and discourse products.
(Seite 368 - 389)
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