AUFSÄTZE
„Das war schon einmal da! wie langweilig!“ – Die Melancholie des Zitierens in Georg Büchners dokumentarischer Poetik
Nicolas Pethes
Der Beitrag versteht den Vorwurf der Schaulustigen am Ende von "Danton's Tod", die Dantonisten gäben auf dem Schafott lediglich zitierte und mithin langweilige Sentenzen von sich, als poetologische Reflexion von Büchners Verfahren, ein Sechstel seines Dramentextes unmittelbar aus historischen Darstellungen abzuschreiben. Die textimmanente Verurteilung dieser Zitation historischer Quellen als ‚langweilig' erlaubt es, die handlungslähmende Melancholie der Titelfigur mit einem posthistorischen Geschichtsverständnis in Verbindung zu setzen, dem zufolge noch revolutionäre Umsturzversuche in die ewige Wiederkehr des Gleichen münden.
At the end of Büchner's drama "Dantons Tod" (Danton's Death), spectators at Danton's execution criticise the boring quotes Danton's followers bring forward in their defence. The article reads this criticism as an implicit comment on the poetological principle of the drama, insofar as Büchner copied roughly one sixth of the text from contemporary descriptions of the French Revolution. By labelling these quotations as boring, Büchner connects Danton's lethargic melancholy to a posthistorical notion, according to which even attempt at revolution merely repeat history.
At the end of Büchner's drama "Dantons Tod" (Danton's Death), spectators at Danton's execution criticise the boring quotes Danton's followers bring forward in their defence. The article reads this criticism as an implicit comment on the poetological principle of the drama, insofar as Büchner copied roughly one sixth of the text from contemporary descriptions of the French Revolution. By labelling these quotations as boring, Büchner connects Danton's lethargic melancholy to a posthistorical notion, according to which even attempt at revolution merely repeat history.
(Seite 518 - 535)
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