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AUFSÄTZE

Archivare der Augen-Blicke im Angesicht des Alters. Martin Walsers produktive Goethe-Rezeption

Kennzahl zfdph_20090407
Evi Zemanek
 
Eine auffällige Fokussierung des Augen-Blicks (im doppelten Wortsinn) ist zentraler Berührungspunkt von Goethes Werk und Walsers „Ein liebender Mann“. Die Untersuchung der narrativen und lyrischen Gestaltung des signifikanten Augen-Blicks, realisiert im topischen Blickaustausch sowie als einschneidende Momente der Liebe, des Verlusts und des Alterns, zeigt dessen Funktionalisierung als Strukturprinzip ebenso wie weltanschauliche Parallelen im Alterswerk der Autoren. Unter diesem Aspekt offenbart die Betrachtung von Walsers Goethe-Roman als Antwort auf die „Marienbader Elegie“ und die Novelle „Der Mann von fünfzig Jahren“ Walsers ambivalentes Verhältnis zu Goethe.

A conspicuous focusing of the “Augen-Blick” (in both its senses of ‘glance’ and ‘moment’) is significantly similar in Goethe’s works and Martin Walser’s novel “Ein liebender Mann” (‘A Loving Man’). An analysis of the narrative and lyrical configuration of the meaningful “Augen-Blick” as realized in topical eye contact and in incisive moments of love, loss and aging exposes its role as a structural principle as well as the ideological parallels in the later works of both authors. In this respect, reading Walser’s novel on Goethe as an answer to Goethe’s “Marienbader Elegie” (‘Marienbad Elegy’) and the novella “Der Mann von fünfzig Jahren” (‘The Man of Fifty Years’) reveals Walser’s ambivalent relationship to Goethe.
(Seite 567 - 589)
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