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Christian Kassung, EntropieGeschichten. Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ im Diskurs der modernen Physik. Fink, München 2001.

Vorliegt eine exemplarische Untersuchung, die weit über ihren konkreten Anlass, den Eingang physikalischen Wissens in Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“, hinausweist in den kaum je betretenen Raum echter Transdisziplinarität. Christian Kassung macht es sich zur Aufgabe, dem gemeinsamen epistemologischen Grund von EntropieGeschichten, so auch der Titel seiner Untersuchung, in Literatur und Physik nachzugehen. Dabei lässt er sich von der Überlegung leiten, anstelle geschlossener Diskursformationen, die dann Die Physik und Die Literatur heißen, Wissensfelder anzunehmen, die sich jenseits physikalischer Lehrbücher und literarischer Traditionen öffnen. Eine derartige Vorgehensweise ist alles andere als voraussetzungslos. Foucaults Archäologie des Wissens und Bachelards Epistemologie stellen das durch Serres’ Störungstheorien komplettierte methodologische Instrumentarium bereit, das Kassungs Arbeit ermöglicht. Seine Ausbildung zum Physiker sowohl als auch zum Literaturwissenschaftler statten ihn überdies mit einer beeindruckenden Doppelkompetenz aus, die seinen Bemühungen die nötige Fachautorität verleiht. Aus alledem ergibt sich, dass die hohen Anforderungen, die Kassung an seine Leser stellt, reich belohnt werden von einem Text, dessen analytische Kraft nicht nur alles in den Schatten stellt, was sich bislang an einschlägigen Untersuchungen in der Musil-Forschung finden ließ, sondern darüber hinaus neue Standards bei den Bemühungen, die Grenzen, die Natur- und Geisteswissenschaften voneinander trennen, zugunsten einer so genannten third culture zu überschreiten.

Seiten 627 - 631

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.04.2001.627

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