Inhalt » Archiv » Ausgabe 01/2009 » Cordula Politis, The Individualization of Fortune in the Sixteenth-Century Novels of Jörg Wickram. The Beginnings of the Modern Narrative in German Literature, with a preface by Ingrid Kasten, The Edwin Mellen Press, Lewiston, Queenston, Lampeter 2007, IV und 274 Seiten

Cordula Politis, The Individualization of Fortune in the Sixteenth-Century Novels of Jörg Wickram. The Beginnings of the Modern Narrative in German Literature, with a preface by Ingrid Kasten, The Edwin Mellen Press, Lewiston, Queenston, Lampeter 2007, IV und 274 Seiten

Zu Wickrams umfangreichem Oeuvre zählen fünf Romane, die er ohne direkte Vorlagen neben die zahlreichen Übersetzungen seiner Zeit gestellt hat. Sie beschwören teilweise die ritterliche Vergangenheit, zeigen sich aber auch der bürgerlichen Gegenwart verpflichtet. Der erste Roman „Ritter Galmy“ wurde nach der anonymen Erstauflage 1539 noch neunmal im 16. Jahrhundert aufgelegt und erreichte damit einen ähnlichen Publikumserfolg wie Wickrams Schwanksammlung „Rollwagenbüchlein“; die Erzählung vom „Goldtfaden“, die er bereits 1554 abgeschlossen hatte, erschien 1557 als letzter seiner Romane.

Die Verfasserin beschreibt als historischen Hintergrund eine Zeit tiefgreifender Veränderungen, entwickelt die Rollen des Humanismus und der Reformation in ihrer Interdependenz und arbeitet die deutlichen Unterschiede zwischen Italien und Deutschland heraus. Sie führt die wichtigsten Vertreter des italienischen Humanismus ein und zeichnet ein Bild der deutschen Wissenschaft, die die fremden Gedanken aufnehme und der eigenen Wirklichkeit anverwandle. Die Abwendung von einem gottgegebenen Kosmos und die Hinwendung zum Individuum mit moralischer Autonomie treffen in der Reformation nicht durchweg auf Zustimmung, sodass sich in Deutschland eine eigene geistige Strömung ergebe. Von der bildungsbeflissenen Bewegung bleibe Wickram, der keine hinreichende Schulbildung besaß und nur geringe Latein- und keine Griechisch-Kenntnisse, zunächst ausgeschlossen; er bemühe sich aber in der Heimat um kulturellen Fortschritt und wirke mit seinen Romanen weit über diese hinaus. Diese Wirkung habe ihm eine Reputation eingebracht, die zwischen der Hochschätzung als Gründungsvater des deutschen Romans und dem Vorwurf mangelnder Originalität oszilliere.

Seiten 145 - 147

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.01.2009.145

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