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Doerte Bischoff, Ausgesetzte Schöpfung. Figuren der Souveränität und Ethik der Differenz in der Prosa Else Lasker-Schülers, Niemeyer, Tübingen 2002.
Bis in die neunziger Jahre war die Rezeption der Schriften Else Lasker-Schülers von drei gleichermaßen problematischen Tendenzen gekennzeichnet. Die in ihrem Werk auftauchenden Kunstfiguren wurden biographistisch als Darstellung verschiedener Aspekte der Persönlichkeit der Dichterin verstanden; die Utopie der Versöhnung, die insbesondere das im Zürcher Exil entstandene Hebräerland prägt, sowie die Koexistenz von christlicher und jüdischer Ikonographie in ihren Texten wurden als Plädoyer für einen deutsch-jüdischen Dialog vereinnahmt; schließlich hat man die exotistischen, spielerischen und kindlichen Elemente von Lasker-Schülers Ästhetik als Beleg für den unpolitischen Charakter ihrer Dichtung aufgefasst. Erst die Maßstäbe setzende Studie von Meike Feßmann konnte nachweisen, dass das für Lasker-Schüler charakteristische Verfahren des Rollenspiels und der Metamorphose konkret sozialhistorisch verstanden werden muss als Einspruch gegen das bürgerliche, juristisch kodifizierte Modell von Autorschaft, welches Werkherrschaft als Eigentumsverhältnis definiert und das Werk vom jeweiligen Autor als dessen originäres Produkt abtrennt. Indem Lasker-Schüler sich und andere zu Bewohnern eines selbstgeschaffenen poetischen Reiches stilisiert, unterminiert sie Feßmann zufolge die juristische und ökonomische Logik des bürgerlichen Werkbegriffs. Feßmanns Ansatz ist seither auf verschiedene Weise in Bezug auf Lasker-Schülers Ironisierung von Klischees weiblicher Autorschaft sowie im Blick auf den Wandel ihres literarischen Selbstverständnisses im Exil differenziert worden. Daran ist zu erinnern angesichts der anspruchsvollen Studie, die nun Doerte Bischoff vorgelegt hat und die es unternimmt, Lasker-Schülers ästhetisches Projekt mittels eines komplexen Apparats psychoanalytischer, dekonstruktivistischer und diskursanalytischer Theorieansätze neu zu interpretieren.
Seiten 294 - 298
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.02.2004.294
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