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Ein gemaltes Tagelied des 14. Jahrhunderts? Zur Ikonographie des Wandbilds aus dem Rineggschen Domherrenhof in Konstanz
Das um 1350 entstandene Fresko aus dem Rineggschen Domherrenhof nimmt formal Anleihen bei Darstellungen der Minneburg, nutzt dieses Bildschema aber zur Inszenierung anderer Inhalte. In der unteren Bildhälfte zeigt es mit der Ankunft eines Ritters bei seiner Dame ein Motiv, das sich von den Miniaturen der Manesse-Handschrift herleiten lässt. Die Szene darüber wird hingegen als Abschied der Liebenden im Morgengrauen gedeutet und bildet damit eine direkte visuelle Umsetzung der aus der Dichtung bekannten Tagelied-Situation.
The fresco from the Canon Rineggs manor, dating from around 1350, has borrowed formal elements from representations of the Castle of love, but uses the pictorial layout for the representation of a different subject matter. In the lower half of the picture it shows the motif of a knight arriving at his ladys, which goes back to the miniatures of the Manesse Manuscript. The scene above it, on the other hand, is interpreted as a parting of lovers at daybreak, and is thus a direct visual representation of a situation well-known in poetry in the Tagelied (dawn song).
Seiten 107 - 126
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.01.2010.107
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