Inhalt » Archiv » Ausgabe 02/2001 » Eine ‚irenische Provokation‘. „Novemberland“ von Günter Grass und der „Niedergang der politischen Kultur“

Eine ‚irenische Provokation‘. „Novemberland“ von Günter Grass und der „Niedergang der politischen Kultur“

Mit „Novemberland“ knüpft Günter Grass an in seinem Werk vielfach erprobte barocke Schreibtechniken an. Signalhaft markierte emblematische Bezüge, eine für Grass spezifische Topik des Bildbereichs und nicht zuletzt die in seinem Werk ein erstes Mal begegnende Gattung Sonett als Form okkasioneller Lyrik verschränken den Gedichtzyklus auf vielfache Weise mit der literarischen Tradition. Doch über diese strukturgebenden und größtenteils in seinem früheren Werk schon erprobten Faktoren hinaus lässt sich hinter den Bezügen zur literarischen Tradition auch der Wille erkennen, im verdeckten Kontrast zu einer barocken Irenik-Utopie die diskursive Form der so genannten Wiedervereinigunsdebatte über ihren kontingenten Gehalt hinaus als Signum einer niedergehenden ‚politischen Kultur‘ zu begreifen.

In „Novemberland“ Günter Grass picks up the thread of the baroque writing techniques which he has frequently used in his works. Striking emblematic references used as signals, Grass’s own specific imagery and not least the genre of the sonnet as a form of occasional lyric poetry, used here for the first time in his work, provide many links between the cycle of poems and literary tradition. These are structural factors, most of which have been employed in Grass’s earlier works. Over and above these, however, the reader can discern, behind the references to literary tradition and in covert contrast to the baroque utopia of reconciliation, the will to view the discursive form of the so-called reunification debate not only in its contingent content but also as a sign of a declining political culture.

Seiten 252 - 284

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.02.2001.252

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