Inhalt » Archiv » Ausgabe 01/2011 » Gabriel Viehhauser-Mery: Die ?Parzival?-?berlieferung am Ausgang des Manuskriptzeitalters. Handschriften der Lauberwerkstatt und der Stra?burger Druck / Robert Sch?ller: Die Fassung *T des ?Parzival? Wolframs von Eschenbach. Untersuchungen zur ?berlieferung und zum Textprofil

Gabriel Viehhauser-Mery: Die ?Parzival?-?berlieferung am Ausgang des Manuskriptzeitalters. Handschriften der Lauberwerkstatt und der Stra?burger Druck / Robert Sch?ller: Die Fassung *T des ?Parzival? Wolframs von Eschenbach. Untersuchungen zur ?berlieferung und zum Textprofil

Karl Lachmann war bei der Arbeit am ?Parzival?-Teil seiner Wolfram-Ausgabe (1833) auf Befunde gesto?en, die so wenig zu seinen textkritischen Vorstellungen passten, dass er sich bei ihrer Beschreibung in eklatante (und erhellende) Widerspr?che verwickelte, die aus der Inkompatibilit?t von Gegenstand und Werkzeug resultierten. Karl Stackmann hat n?mlich gezeigt, dass die Lachmannsche Methode u.a. voraussetzt, dass ?am Anfangspunkt der f?r uns ?berschaubaren Tradition [?] ein einziger, fest umrissener Archetypus stehen? muss. Das ist in der ?Parzival?-?berlieferung aber offenbar nicht der Fall, denn die ?zahlreichen handschriften des Parzivals [?] zerfallen? nach Lachmann ?in zwei klassen [*D und *G], die durchg?ngig einen verschiedenen text haben?, wobei ?in den allermeisten f?llen die lesart der einen klasse mit der andern von gleichem werth ist?. Offenbar liegt hier das vor, was Stackmann als gleichwertige Parallelversionen und Joachim Bumke als Fassungen bezeichnet. Zwei Fassungen unterscheiden sich nicht dadurch voneinander, dass die eine ?richtig?, die andere ?fehlerhaft? ist, sondern dadurch, dass ?in ihnen ein unterschiedlicher Formulierungs- und Gestaltungswille sichtbar wird?. Infolgedessen kann die auf Fehleranalyse basierende Textkritik bei Fassungen nicht greifen. Um trotzdem aus *D und *G einen Archetyp ?re?-konstruieren zu k?nnen, revidierte Lachmann sein Urteil ?ber die beiden Klassen auf engstem Raum (gleicherma?en inkonsequent im Hinblick auf die Befunde wie konsequent im Hinblick auf das editorische Ziel) dahingehend, dass *G ? eben noch gleichwertig ? nun auf einmal ?mehr unbezweifelt falsches oder aus falscher besserung entstandenes darbietet? als *D. Damit war der Gegenstand so zugerichtet, dass das Werkzeug fassen konnte.

Seiten 127 - 139

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZfdPh.01.2011.127

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