Inhalt » Archiv » Ausgabe 02/2011 » Jüngers Bienen

Jüngers Bienen

Dass Ernst Jünger Insekten gesammelt und Zoologie studiert hat, ist allgemein bekannt, doch wurden die soziologischen und epistemologischen Implikationen seines entomologischen Wissens bislang nicht ernst genommen. Der Aufsatz führt anhand der „Gläsernen Bienen“ exemplarisch vor, dass insbesondere die ‚sozialen Insekten‘ keineswegs nur als Metapher genutzt werden, sondern ein Wissensfeld darstellen, in dem Jünger zentrale Fragen seiner Gegenwartsdiagnostik verhandeln kann. Entgegen der landläufigen Meinung, Jünger sei Platoniker, wird zu zeigen sein, dass ihn die sozialen Insekten zu einer kybernetischen und soziobiologischen Heuristik hinführen, deren Paten nicht Platon oder Herodot, sondern Wiener und Wheeler heißen. Zugleich wird jenes Wissen der Literatur lesbar gemacht, das im Horizont einer ‚Ästhetik des Schreckens‘ unter das Verdikt referentialisierender Fehllektüren gestellt worden ist.

It is well known, that Ernst Jünger was an eager collector of insects and a student of biology, even in the trenches he followed his hobby and yet during his sojourns in military hospitals he went after his studies. His observations have been assigned to his ‘cold’ character and filed in his ‘aesthetics of terror’. Thus, the sociological and epistemological implications of his entomological knowledge have been ignored so far. This paper reads his “Gläserne Bienen” to show exemplarily the function of the entomological discourse in Jünger’s diagnostics of post-war culture. Social insects in his work are not merely a metaphor, but a key to Jünger’s cybernetical and socio-biological inspired heuristics, whose godfathers are not Plato or Herodot, but Wiener and Wheeler. By the same token, the essay renders legible a knowledge of literature which frequently fell victim to referentialist misreadings of Jünger against the background of an ‘aesthetics of terror’.

Seiten 245 - 260

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZfdPh.02.2011.245

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