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Kein Land in Sicht: Heimat weiblich? Hg. v. Gisela Ecker. Wilhelm Fink-Verlag, München 1997.
Im Zentrum des Bandes steht der Begriff ,Heimat, der in seinen Bedeutungen für verschiedene Disziplinen diskutiert wird. Das Interessante an dem Diskurs des Sammelbandes ist allerdings die Erweiterung um die vielfach außer acht gelassene Geschlechterdifferenz. Oder wie die Herausgeberin es in ihrem einleitenden Beitrag umschreibt: Es führt eine deutlich ödipale Spur durch die Diskurse um ,Heimat (10). Die einzelnen Beiträge eröffnen eine differenzierte und zugleich weitläufige Diskussion dieses universalisierten Begriffs. Daß der Anspruch eines solchen Diskurses nicht in einem ideologiekritischen Gestus verhaftet bleiben darf, entwickelt Birgit Erdle am Motiv der versperrten Rückkehr. Eine der Enthüllung des falschen Bewußtseins oder Begehrens der Bilder gewidmete Ideologiekritik, auch wenn sie historisch argumentiert, scheint selbst als eine schützende screen memory zu wirken: sie überlagert die Phantasieszene des coming home und verdoppelt damit gleichsam das schützende screening, ohne die Verkopplung der Wünsche in beiden Szenen zu bemerken. (188/89) Über einen Rekurs auf Celan, Derrida, Benjamin, vor allem aber auf Emmanuel Lévinas entwickelt Erdle die Struktur einer Wiederkehr ohne Wiederholung, die verbietet, in der Wiederkehr ein Selbes zu sehen. Eine solche Bewegung ist nicht nur nicht mehr dialektisierbar (190), sondern entwickelt auch einen Begriff von Geschichte, der nicht in einem linearen oder zyklischen Kontinuum von Zeit verhaftet ist. Die unmöglich gemachte Rückkehr an einen Ursprungsort ist gebunden an eine Gedächtnis-Struktur, die einem In-Erinnerung-Rufen (201), nicht aber einer Rückkehr gleicht. Dieser Geschichtsbegriff, der eine grundlegende binäre Struktur und damit die Polarität zwischen ,Heimat und Heimatlosigkeit hinterfragt, kann als Horizont aber auch als Ziel der einzelnen Beiträge gelesen werden.
Seiten 283 - 286
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.02.1998.283
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