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Ritual und Inszenierung. Geistliches und weltliches Drama des Mittelalters. Tagung vom 25. bis zum 27.März 1999 an der Universität zu Köln
Um den ins Stocken geratenen Gedankenaustausch zur Gattung wieder aufleben zu lassen, lud Hans-Joachim Ziegeler (Köln) Vertreter der verschiedenen Forschungspositionen zu einer Tagung über das mittelalterliche Schauspiel nach Köln ein. Der Tagungstitel markierte die thematischen Eckdaten, drehte sich doch die Fachdiskussion einerseits um die Verwurzelung der Gattung, andererseits um Zielsetzung und Benutzungsfunktionen der überlieferten Textträger. So führte Dieter Trauden (Kyoto), der die Vortragsreihe eröffnete1, an, daß von den von Neumann gesammelten ca. 3000 Spielnachrichten kaum welche in einem Zusammenhang mit einem der überlieferten Spieltexte stünden. Das lege die Vermutung nahe, nur besonders erhaltenswerte Spieltexte seien der Vernichtung oder der Abnutzung im Aufführungszusammenhang entronnen. Hansjürgen Linke (Köln) stellte durch inhaltliche Analyse der Spieltexte eines ihrer zentralen Themen heraus: Verantwortung. In den Spielen müsse sich jeder Mensch sowohl am Lebens- als auch am Weltende Gott gegenüber für sein Handeln verantworten, was den Spielen eine ausdrückliche heilsdidaktische Appellfunktion verleihe. Am Churer und Berner Weltgerichtsspiel illustrierte danach Hildegard Keller (Zürich) das Fluktuieren von Gattungsgrenzen, indem sie darlegte, daß beide Texte gelungene Bußrituale visualisierten und sowohl von der Wirkung als auch von der Herkunft als ludogene Predigten zu verstehen seien.
Seiten 106 - 109
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.01.2000.106
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