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Sprachinsel-Paradigma auf dem Prüfstand: Konzept, Terminologie und Forschungsmethodologie
Der vorliegende Beitrag prüft, ob der Sprachinsel-Ansatz wirklich geeignet ist, das Problem Realitätsbereich Deutsch als Minderheitensprache sachangemessen zu erkennen, zu erfassen, zu thematisieren, zu beschreiben, zu interpretieren und zu bewerten, indem er verdeutlicht, dass die Metapher der Sprachinsel heute mindestens in zweifacher Hinsicht keinen optimalen Ordnungs- und Erklärungsansatz bereitstellen kann. Erstens, weil das derzeitige Kommunikationsprofil von Minderheitengemeinschaften und das aktuelle Gesicht dieser Sprachvarietäten nicht mehr durch eine insulare Abgeschiedenheit, sondern vielmehr durch Zwei- und Mehrsprachigkeit und Sprachen- bzw. Kulturenkontakte bestimmt werden. Zweitens, weil die sog. metaphorischen Konzepte bei der wissenschaftlichen Erkenntnis eine wesentliche Rolle spielen. Daher wäre ein Untersuchungsansatz produktiv, welcher der besonderen aktuellen Dynamik der für die Minderheiten meist charakteristischen mehrsprachigen bzw. mehrkulturigen Konfigurationen und den sprachlichen bzw. kulturellen Austauschprozessen explizit Rechnung trägt. In diesem Zusammenhang wird hier eine interkulturelle ( oder transkulturelle) Linguistik als mögliches Paradigma vorgeschlagen.
This article examines whether the concept of the Sprachinsel (linguistic island) is helpful in understanding, discussing, interpreting and evaluating the phenomenon of German as a minority language. It is shown that the metaphor of the linguistic island does not in todays world provide an optimal categorisation and explanatory approach for at least two reasons. Firstly because the communicative profile of minority communities and the actual form of these linguistic varieties is no longer determined by isolation, but by bilingualism and multilingualism and by contacts between languages and cultures. Secondly because so-called metaphorical concepts play a major role in the way phenomena are perceived in science. For this reason a productive approach would be one which explicitly takes into account the specific current dynamics of the multilingual and multicultural configurations which are typical of minorities. In this context, the article proposes intercultural (or transcultural) linguistics as a possible paradigm.
Seiten 321 - 341
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.03.2006.321
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