Inhalt » Archiv » Ausgabe 04/2006 » Vom Hochzeitslied zum Höllenbrand. Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ im Interferenzbereich zwischen biedermeierlicher Musikkultur und romantischer Musikästhetik

Vom Hochzeitslied zum Höllenbrand. Mörikes Novelle „Mozart auf der Reise nach Prag“ im Interferenzbereich zwischen biedermeierlicher Musikkultur und romantischer Musikästhetik

Mörikes Novelle scheint auf den ersten Blick einen biedermeierlichen Klassizismus zu propagieren, der das elitäre Musikverständnis der Romantik ablöst, um im Medium einer heiteren Geselligkeitskultur den Antagonismus zwischen hoher Tonkunst und gewöhnlicher Lebenswelt aufzuheben. Die vorliegende, musikästhetisch und kulturhistorisch ausgerichtete Interpretation vermag dagegen zu zeigen, dass Mörikes Erzählung eine konträre Stoßrichtung verfolgt und insbesondere das restaurative Moment der biedermeierlichen Musikkultur kritisch hinterfragt. Unter epochengeschichtlichen Gesichtspunkten erweist sich der gesellige Klassizismus auf dem Schloss des Grafen von Schinzberg als rückwärtsgewandte Utopie, die aus dem Horizont des Biedermeier einem von Legenden entstellten Mozartbild huldigt, mittels dieser Orientierung aber das Erbe der romantischen Musikästhetik nur vordergründig abweisen kann.

At first glance, Mörike's novella seems to promote a Biedermeier Classicism, which takes the place of the elitist concept of music in the Romantic movement and with cheerful socialising overcomes the antagonism between the high art of music and everyday life. However, the present interpretation - grounded in musical aesthetics and cultural history - shows that Mörike's story points in the opposite direction, and especially that it gives a critical examination of the element in Biedermeier musical culture which seems to be aimed at restoring the old order. As far as the history of the epoch is concerned, the gregarious classicism at Count von Schinzberg's castle is shown to be a backward-looking utopia: from the horizon of the Biedermeier it pays homage to a view of Mozart distorted by legends, but because of this orientation is only superficially able to rid itself of the musical aesthetics of Romanticism.

Seiten 536 - 560

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.04.2006.536

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