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Wîpliche man, manlîchiu wîp. Zur Konstruktion der Kategorien Körper und Geschlecht in der deutschen Literatur des Mittelalters. Internationales Kolloquium der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft und der Gerhard-Mercator- Universität Duisburg, 8.10. Oktober 1997 in Xanten
Im wissenschaftlichen Diskurs der letzten zwanzig Jahre haben die in den Vereinigten Staaten inzwischen etablierten gender studies auch im deutschsprachigen Raum zunehmend an Bedeutung gewonnen. Gleichwohl ist das heuristische Potential geschlechterspezifischer Fragestellungen noch immer nicht voll erkannt worden; gerade in der germanistischen Mediävistik werden die unterschiedlichen Chancen, welche die gender studies für die Textinterpretation bieten, nur partiell genutzt. Um dieses Defizit abzutragen, fand vom 8. bis 10. Oktober ein von der Oswald von Wolkenstein-Gesellschaft und der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg veranstaltetes, von Ingrid Bennewitz und Helmut Tervooren organisiertes internationales Kolloquium mit dem Titel Wîpliche man, manlîchiu wîp. Zur Konstruktion der Kategorien Körper und Geschlecht in der deutschen Literatur des Mittelalters statt, das allgemein sehr großen Zuspruch gefunden hat. Da alle Teilnehmer stets in der gleichen Zusammensetzung tagten auf eine Sektionseinteilung wurde bewußt verzichtet , die Anzahl der Vorträge auf sechszehn begrenzt war und die einzelnen Referenten sich diszipliniert an die festgesetzte Sprechzeit hielten, wurde eine intensive, weiterführende Diskussion ermöglicht. Die Beiträge konnten einerseits durch die Rückkoppelung der methodischen Diskussion an die mittelalterliche literarische Praxis neue Denkanstöße für ein theoretisches Konzept der gender studies vermitteln: immer wieder wurden leitmotivisch das von Laqueur (,Making sex, 1990) postulierte Ein-Leib-Modell kritisch beleuchtet und Butlers These (,Gender Trouble, 1990) von der sex-gender-Interdependenz angesprochen. Andererseits gelangen durch die Applikation des methodischen Horizontes auf konkrete mittelhochdeutsche Texte neue interpretatorische Perspektivierungen, wobei sich die geschlechterspezifischen Kategorien der Textbeschreibung als gattungsübergreifend erwiesen. Durch die Rekonstruktion der den Texten impliziten Normvorstellungen konnten zugleich mentalitätsgeschichtliche Erkenntnisse formuliert werden.
Seiten 416 - 420
Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.03.1998.416
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