| DOI: | https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2010.02 |
| Lizenz: | ESV-Lizenz |
| ISSN: | 1868-7806 |
| Ausgabe / Jahr: | 2 / 2010 |
| Veröffentlicht: | 2010-11-30 |
In der Forschung wird angenommen, dass Schillers Mortimer aus Maria Stuart eine freie Erfindung ohne erkennbares Vorbild in der britischen Geschichte oder Literatur sei. Dieser Beitrag zeigt den englischen Schauerroman The Recess von Sophia Lee als wahrscheinliche Quelle fr die Figur auf. Untersucht werden dabei die textlichen Gemeinsamkeiten zwischen The Recess und Maria Stuart sowie die Umstnde, die Schiller zum englischen Roman gefhrt haben knnen.
E.T.A. Hoffmanns literaturwissenschaftlich bislang vernachlssigte Erzhlung Das Gelbde (1817) legt im Spannungsfeld von zeitgenssischer Medizingeschichte und (Para-) Psychologie ihre explizit poetologische Dimension offen. Damit antizipiert die Erzhlung nicht nur die selbstreflexiven Erkenntnisse der Serapions-Brder, sondern verhandelt die dort profilierte Einsicht in die Duplizitt allen irdischen Seins mit ihrer Problematisierung eines dualistischen Wirklichkeitsmodells bereits kritisch.
Der Ironiegehalt von Heinrich Heines berhmtem Loreley-Gedicht ist in der Forschung wiederholt diskutiert und unterschiedlich bewertet worden. Die Bezugnahme auf den Topos vom Schiffbruch mit Zuschauer, der in Heines Gedicht anklingt, erlaubt eine differenziertere Bestimmung dieses Gehalts. Im Hinblick auf den Schiffer als Handlungstrger fhrt das Gedicht nicht allein die auf den Leser perspektivierte Wirkungsmechanik des Pathetischerhabenen vor. Vielmehr gelingt Heine durch die Einschaltung der ironischen Sprecherinstanz eine gezielte Erweiterung dieses sthetischen Reflexionsmodells.
Ziel dieses Aufsatzes ist es zu zeigen, dass Storm in seiner Novelle Carsten Curator die zu seiner Zeit aktuellen Konzepte von Hereditt, Genetik und Evolution exemplarisch durchspielt und poetologisch gegenliest. Vorderhand gibt die Novelle Hinweise, dass die Familie Carstens einem progrs dun mal im Sinne Morels unterworfen ist und mithin eine Verschlechterung der Erbeigenschaften bis zum Aussterben der Familie zu gewrtigen hat.
Rudolf Lindau (1829-1910), in seiner Zeit ein geachteter Erzhler, lebte zehn Jahre in Istanbul. Dort entstand sein Zeit- und Gesellschaftsroman Ein unglckliches Volk (1903). Dessen deutscher Protagonist wird 1895/96 Augenzeuge armenischen Widerstands und trkischer Vergeltung. Indem das Werk dieses Ereignisgeflecht ins Zentrum rckt, wird es zu einem fast prophetischen politischen Roman ber die armenische Frage. Unter diesem Gesichtspunkt ist es zu Unrecht vergessen.
Hauptmanns Gedicht Positano (1946) entstand 1944 als Denkmal fr den deutschsprachigen Erfolgsautor Essad Bey (1905-1942). Der als Lew Nussimbaum in Baku geborene Sohn jdischer Eltern konvertierte zum Islam und betrieb unter konservativen Vorzeichen eine literarische Verklrung des Orients. Hauptmann erfuhr durch den deutschamerikanischen Publizisten G. S. Viereck von der Notlage des schwerkranken Exilanten in Positano und vermittelte ihm die Untersttzung Pima Andreaes aus Rapallo. Darauf bezieht sich der zweite Teil seines Gedichts, dessen erster Teil der paradoxen Identitt Essad Beys das mysterise Schicksal Valerie von Mangolds gegenberstellt, in deren Gesellschaft Hauptmann 1897 Positano besuchte.
Der ursprngliche Entwurf des Zauberbergs als Novelle ist eines der grten Desiderate der Thomas-Mann-Forschung. Einige Umrisse lassen sich auf indirektem Wege durch die Stoffgeschichte rekonstruieren. Einen Beitrag hierzu liefert die Entdeckung, dass der Venusberg in spezifischer Verbindung mit den Hauptpersonen und einigen zentralen Motiven ber eine stoffgeschichtliche Linie zum Novellen Fundus Paul Heyses zurckzuverfolgen ist.
Maxim Billers Roman Esra wird seit seinem Verbot nur noch als Paradigma fr die Kollision von Kunstfreiheit und Persnlichkeitsrechten wahrgenommen. Tatschlich aber erzhlt er nicht nur eine unglckliche Liebesgeschichte, sondern er bietet auch einen spezifischen Blick auf Probleme der Konstruktion kollektiver Identitten. Dabei scheint sich anzubieten, auf die Identitten der Figuren den Begriff der Diaspora anzuwenden oder sie als Umsetzung postkolonialer Konzepte wie Homi K. Bhabhas Hybriditt zu beschreiben. Der Aufsatz versucht zu zeigen, dass der Roman genau solche Zuschreibungen problematisiert.
Runde Jubilumsgeburtstage gehren im Zeitalter der musealen und medialen Erinnerungskultur wie selbstverstndlich zum Kalender des literarischen Lebens erst recht dann, wenn ein Ereignis sich zum 400. Male jhrt. Zur Wiederkehr seines Geburtstages am 5. Oktober 1609 waren deshalb dem Schriftsteller, Arzt und Orientreisenden Paul Fleming verschiedene kulturelle und wissenschaftliche Aktivitten gewidmet, die an jenen Dichter erinnerten, dessen Werk den ersten Hhepunkt der neuen deutschen Kunstdichtung des 17. Jahrhunderts darstellt.
Obwohl es sich bei Eberhard Werner Happel um einen der auflagenstrksten Publikumsautoren seiner Zeit handelt, wurde er als polyhistorisch ambitionierter Vielschreiber nicht nur von seinen Schriftstellerkollegen, sondern auch von der Forschung lange pauschal unter die elenden Scribenten gerechnet und daher aus dem analytischen Blickfeld weitgehend ausgeblendet.
Die Bedeutung der Wissens-, Gelehrten- oder Universittsgeschichte ist fr das Mittelalter und die Frhe Neuzeit immer noch zu entdecken. Dazu stellt der von Frank Grunert und Friedrich Vollhardt herausgegebene Sammelband nun die im 17. und 18. Jahrhundert im Aufwind stehende Historia literaria ins Zentrum.
Selbsterhaltung oder Sympathie, Machttrieb oder Mitleid, Gier, Generositt oder Dankbarkeit Schlsselbegriffe politischer Philosophien vom 16. bis zum frhen 19. Jahrhundert betreffen menschliche Triebe, Leidenschaften und Gefhle.
Vorgeschichte und Geschichte der Ausgabe hat Rez. in einem Forschungsbericht vorgestellt (vgl. ZfdPh 113, 1994, S. 199224: = Fb) und ber Bnde berichtet, die seit 1993 erschienen sind (vgl. ZfdPh 117, 1998, S. 286294 u. ZfdPh 119, 2000, S. 296298). Mit dem krnenden Gesamtregister liegt Wielands Briefwechsel (= WBr) nun in 20 Bnden abgeschlossen vor.
Bereits Johann Peter Eckermann hatte erkannt, wie problematisch es sein kann, sich an einer umfassenden Darstellung Goethes zu versuchen. So konnte er ber den Authentizittscharakter der von ihm zusammengestellten Gesprche mit Goethe nur in ganz bescheidenem Sinne sagen: dies ist mein Goethe.
Die Prosa des deutschsprachigen Realismus stellt ihr sthetisches Programm auf textueller Ebene in Frage: Die Erzhlungen inszenieren die Grenzen der Wirklichkeitsdarstellung, indem sie im selbstreflexiven Gestus ihre poetischen und narrativen Schwierigkeiten kommentieren, realistische Referenzillusionen zu schaffen.
Der (Post-)Kolonialismus hat in der germanistischen Literaturwissenschaft, speziell derjenigen interkultureller Provenienz, offensichtlich Konjunktur. Neben teilweise eher zwei felhaften Versuchen einer gegenwartsbezogenen Kolonisierung der Migrantenliteratur, standen dabei bislang vor allem zwei Perioden der Literaturgeschichte im Zentrum der Analyse des Verhltnisses von Literatur und Kolonialismus.
Der Vagabund ist kein Urlauber, kein Reisender im Namen des Vergngens. Seine Lebensart des stndigen Unterwegsseins ist vielmehr von anhaltender Unruhe geprgt; von einem Zwang, der seinem Reisen den Charakter einer fortwhrenden Flucht verleiht.
Contrary to most scholarship on Franz Fhmann (1922 1984), which emphasizes the Wandlung and Brche at the core of the East German writers poetics, Stephan Krause signals on the opening page of his study that he will focus on the continuity of Fhmanns oeuvre with the humanistic tradition.
Memory Matters is a well-conceived and lucidly written study of a topic that continues to garner much attention in public and academic discourses, and especially in literary texts and in literary studies: memories and post-memories of Nazi-Germany and the Holocaust.
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