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Zürich und Süsskind von Trimberg

Im Jahre 1996 hat man im Hause Brunngasse 8 in der Zürcher Altstadt Wandbilder von etwa 1330 freigelegt, die an und für sich nicht mehr tun, als in dem beneidenswerten Bestand der Zürcher spätmittelalterlichen Steinarchitektur ein Beispiel mehr zu zeigen, wie oft der Stadtadel und die vermögenden Patrizier sich Repräsentationsräume mit entsprechendem Dekor zugelegt haben, und daß sie als Motive solchen Bildschmucks auf die Helden- und erzählende Dichtung zurückgriffen, denen sie durch heraldische Darstellungen den Ausweis aktuellen Fortlebens verliehen. Und dies geschah nicht nur in Zürich, sondern an vielen Orten des südlichen und mittleren Deutschland, ist allerdings durch die Ungunst der Überlieferung nur an einigen Stellen deutlich faßbar, aber es muß weite Verbreitung gehabt haben und trägt alle Kennzeichen eines „Statussymbols“. Insoweit brachten also diese neuen Funde nichts gänzlich Neues, sondern nur einen erwünschten weiteren Beleg für auch sonst Bekanntes. Eines unterschied aber diese Wandbilder im „Brunnenhof“ von anderen dieser Art. Nicht das Kompositionsschema aus drei Registern einer Sockel-, Bild- und Wappenzone, nicht das Motivrepertoire, das allgemein gehaltene Szenen und präzisere Episoden aus der höfischen Literatur verband, nicht die Rangfolge und die lokalen Schwerpunkte der Wappen, sondern einzig eine unauffällige Beschriftung am unteren Rande ihrer Zone war die differentia specifica, denn sie war hebräisch „in mittelhochdeutscher Lautung“.

Seiten 103 - 110

Zitierfähig mit Smartlink: http://www.ZfdPhdigital.de/ZFDPH.01.1999.103

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