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Dokument Zeitschrift für deutsche Philologie Ausgabe 03 2010
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Inhalt der Ausgabe 03/2010

DOI: https://doi.org/10.37307/j.1868-7806.2010.03
Lizenz: ESV-Lizenz
ISSN: 1868-7806
Ausgabe / Jahr: 3 / 2010
Veröffentlicht: 2010-12-01

Inhalt

Inhaltsverzeichnis/Impressum

Aufs�tze

Das Echo des Bildes. Narration und poetische Emergenz bei Heinrich von Morungen

  • Hartmut Bleumer

Der Beitrag schl�gt vor, den zeitlich paradoxen �sthetischen Intensivierungseffekt verstetigter Neuartigkeit als poetische Emergenz zu bezeichnen und wendet den Begriff in einem Versuch narratologisch angeleiteter Lyrikanalyse auf die Poetik Morungens im Allgemeinen und auf das �Narzisslied� im Besonderen an. In dem f�r Morungen spezifischen Verh�ltnis von Visualit�t und Klanglichkeit erweist sich nicht nur, wie Zeit prinzipiell narrativ vorkonstruiert werden muss, um immer neu �berschritten zu werden. Das �Narzisslied� zeigt �berdies, wie sich die mediale Qualit�t des anti narrativen lyrischen Diskurses hier dar�ber bestimmt, visuelle Distanz durch die Kontaktkategorie des Klanges aufzuheben.

Freundschaft bei Walther von Breisach und dem Kanzler

  • Stefan Seeber

Die Freundschaftsstrophen des Kanzlers und Walthers von Breisach werden vor dem Hintergrund der amicitia-Behandlung Walthers von der Vogelweide und Spervogels als Neuerungen in der Spruchdichtung fasslich: An die Stelle der Gemeinschaft von Alter und Ego stellen die Schulmeister die Idee eines f�r sich stehenden Ich, das bei Walther von Breisach zudem einen Innenraum entwickelt, der dem Ego zugeh�rt und nicht von der Freundschaft abh�ngig ist. Die Freundschaft wird dabei unterschiedlich hierarchisiert: Der Kanzler ordnet sie der Verwandtschaft �ber, Walther von Breisach ordnet sie der Minne unter.

Die bor(a)-Bildungen im Alt- und Mittelhochdeutschen und Mittelniederl�ndischen. Lexikalische Semantik zwischen Etymologie, Syntax, Wortbildungslehre und Stilistik

  • Ralf Plate

Der Aufsatz widmet sich einem seit Jacob Grimm (1826) bekannten, bislang aber ungel�sten Problem der mhd. (und mnl.) Wortbildungslehre, Syntax und Lexikographie: einer Reihe von Adjektiven und Adverbien, die mit dem an sich steigernden Pr�fix bor(e)- gebildet sind, aber in verneinender Bedeutung gebraucht werden k�nnen. Die Untersuchung zeigt, dass die Bildungen im Ahd. nur in negierten S�tzen und stets in der Stilfigur der Litotes vorkommen. Diese litotische Bedeutung der bor(e) Bildungen war bereits lexikalisiert, als sich der Wandel von der ahd. zur mhd. Negationssyntax vollzog, wie das Fehlen von niht in durch ne/en negierten S�tzen mit bor(e)-Bildungen im Fr�hmhd. zeigt; ne/en ist hier also pleonastisch geworden.

Zu Form und Gebrauch des Partizips Pr�sens in der Geschichte der ostjiddischen Schriftsprache. Mit einem Ausblick auf das moderne ultraorthodoxe Schriftjiddisch Satmarer Pr�gung

  • Steffen Krogh

In der vorliegenden Studie wird anhand zahlreicher Originalbelege aus der Zeit von 1815 bis heute die Geschichte des Nebeneinanders der zur Bildung des Partizips Pr�sens eingesetzten Formanzien -(e)ndik und -(e)nd im Ostjiddischen nachgezeichnet. Schwerpunkte der Darstellung sind die Chronologie des Vorkommens von -(e)nd, die Einteilung der ostjiddischen Quellen in Gruppen je nachdem, welchen Status -(e)nd darin besitzt, die syntaktische Distribution von -(e)ndik und -(e)nd in Texten, in denen die zwei Formanzien kookkurrieren, und schlie�lich das Wiederauftreten von -(e)nd, das im weltlichen Schriftjiddisch bereits in der ersten H�lfte des 20. Jahrhunderts dem ererbten Formans -(e)ndik hatte weichen m�ssen, im modernen ultraorthodoxen Jiddisch.

Periodisierung und Interesse. Die Mitte des 20. Jahrhunderts im Fokus der germanistischen Sprachgeschichtsschreibung

  • Thorsten Roelcke

Die Periodisierung der deutschen Sprachgeschichte folgt verschiedenen Erkenntnisinteressen. Dies zeigt sich insbesondere in der Diskussion um die Mitte des 20. Jh.s als Beginn einer neuen sprachgeschichtlichen Periode des Deutschen: Neben genuin linguistischen Erkenntnisinteressen ist diese Diskussion insbesondere auch durch politische, soziale und didaktische Interessen gepr�gt, die f�r die germanistische Sprachwissenschaft von entscheidender Bedeutung sind.

Miszelle

Valentine Pakis: Line One of �Christus und die Samariterin� (�NB 515)

  • Valentine Pakis

The Old High German poem known as �Christus und die Samariterin�, a paraphrase of John 4.6-20, is preserved in the space that remains after the last entry of the Carolingian �Annales Laureshamenses� in �sterreichische Nationalbibliothek 515, fol. 5r (with a brief emendation on the preceding folio), and it is written in a different hand than that responsible for the Latin chronicle preceding it. Like all remnants of Old High German verse, it has been edited and reproduced many times without significant variation.

Tagungsbericht

�Liebe schenken�. Liebesgaben in der Literatur des Mittelalters und der fr�hen Neuzeit � Kiel, 10.�12. Dezember 2009. Literarizit�t und Poetologie der Liebesgabe � Z�rich, 06.�08. Mai 2010

  • Antje Sablotny

Obwohl das anthropologische Themenfeld von �Gabe, Tausch, Geschenk� seit vielen Jahren die Aufmerksamkeit der Geistes- und Kulturwissenschaften erregt � Mauss und Derrida sei Dank �, ist die Liebesgabe als literaturwissenschaftlicher Gegenstand �berraschenderweise bisher kaum in den Blick geraten. Zwar widmete sich die Forschung den Diskursivierungen von Gabe/Geben und Liebe/Begehren, doch finden sich bisher nur einzelne Versuche, beide Ph�nomene systematisch zusammenzuf�hren und so das diskursive Konflikt- und poetologische Reflexionspotenzial der Liebesgabe f�r eine genauere Analyse fruchtbar zu machen. Auf dieses Desiderat reagierte eine von Margreth Egidi, Ludger Lieb und Mireille Schnyder gemeinsam durchgef�hrte Doppeltagung unter dem Titel �Liebe schenken�, die in Kiel vom 10. bis 12. Dezember 2009 und in Z�rich vom 6. bis 8. Mai 2010 stattfand.

Buchbesprechungen

Victor Millet: Germanische Heldendichtung im Mittelalter. Eine Einf�hrung. Berlin 2008 (De Gruyter Studienbuch), XII und 503 Seiten

  • Alois Wolf

Der Verfasser legt in dieser Einf�hrung eine umfassende und �bersichtliche Darstellung dessen vor, was die Literaturgeschichten als germanische Heldendichtung zu bezeichnen pflegen. Er hat sich gr�ndlich mit den einzelnen Zeugnissen vertraut gemacht, verf�gt souver�n �ber den Stoff und bietet durchaus eine �wissenschaftliche Monographie� seines Gegenstandes, auch wenn er dies nicht beanspruchen will (S. VI).

Silvia Schmitz: Die Poetik der Adaptation. Literarische inventio im �Eneas� Heinrichs von Veldeke, Niemeyer, T�bingen 2007 (Hermaea. Germanistische Forschungen. N. F. 113), VI und 385 Seiten.

  • Martin Baisch

Wie entstand in produktions�sthetischer Perspektive der h�fische Roman? Wie hat man sich die konkreten poetischen Arbeitsschritte und Arbeitsweisen vorzustellen, unter denen diese hochmittelalterliche Texte � gearbeitet meist nach franz�sischen oder lateinischen Vorlagen � bis zu einem Umfang von 20 oder 30 000 Versen verfasst wurden, die ein adlig-laikales, wohl meist illiterates Publikum im Auge hatten?

Christa Bertelsmeier-Kierst: Kommunikation und Herrschaft. Zum volkssprachlichen Verschriftlichungsproze� des Rechts im 13. Jahrhundert, Hirzel Verlag, Stuttgart 2008 (ZfdA, Beiheft 9), 250 Seiten

  • Ursula Schulze

Dass im 13. Jahrhundert f�r alle Lebensbereiche die Schriftlichkeit � sowohl in lateinischer wie auch in deutscher Sprache � stark zunimmt, ist eine bekannte Tatsache. Im Bereich des Rechts handelt es sich um eine Ver�nderung in zweifacher Hinsicht: Neben lateinischen entstehen deutsche Schriftst�cke, und m�ndliche Verfahrensweisen werden mehr und mehr in die Schriftlichkeit �berf�hrt.

Sangspruchdichtung. Gattungskonstitution und Gattungsinterferenzen im europ�ischen Kontext. Internationales Symposium W�rzburg, 15.�18. Februar 2006, hg. v. Dorothea Klein zusammen mit Trude Ehlert u. Elisabeth Schmid, Niemeyer, T�bingen 2007, XIX und 406 Seiten.

  • Manuel Braun

Das Symposium, das der vorliegende Band dokumentiert, feiert die (vorl�ufige) Fertigstellung des �Repertoriums der Sangspr�che und Meisterlieder�, das eine der gro�en Leistungen der j�ngeren deutschen Medi�vistik darstellt, an der s�mtliche philologischen Tugenden � Sachkunde, Flei�, Sorgfalt � Anteil haben. Ein enormes Material ist damit auf musterg�ltige Weise erschlossen.

Andreas Nievergelt: Die Glossierung der Handschrift Clm 18547b. Ein Beitrag zur Funktionalit�t der mittelalterlichen Griffelglossierung, Universit�tsverlag Winter, Heidelberg 2007. (Germanistische Bibliothek 28), 968 Seiten, Abbildungen im Text und auf 12 Tafeln im Anhang

  • Birgit Meineke

Die vorliegende Ver�ffentlichung ist die Druckfassung einer von Elvira Glaser betreuten Z�richer Dissertation (2004). In der Einleitung werden Ausgangslage und Zielsetzung sowie das Vorgehen und der Aufbau der Arbeit behandelt. �Teil I� der Arbeit �Methodische Vorkl�rungen� besteht aus den Kapiteln 2 �Glossierungsschichtung und Eintragungstypen� (S. 41�60) und 3 �Die Griffeleintragung als Eintragung vom Typ B� (S. 61�92).

Hermann Paul: Mittelhochdeutsche Grammatik. 25. Auflage, neu bearbeitet von Thomas Klein, Hans-J�rgen Solms, Klaus-Peter Wegera. Mit einer Syntax von Ingeborg Schr�bler, neu bearbeitet und erweitert von Heinz-Peter Prell, Max Niemeyer, T�bingen 2007 (Sammlung kurzer Grammatiken germanischer Dialekte A. Hauptreihe 2), XX und 618 Seiten

  • Ursula Götz

Die Mittelhochdeutsche Grammatik von Hermann Paul, deren inzwischen 25. Auflage hier zu besprechen ist, hatte in der Erstauflage von 1881 einen Umfang von knapp 80 Seiten. Bis zur 10. Auflage von 1918, der letzten von Hermann Paul selbst betreuten, war sie bereits auf ca. 240 Seiten angewachsen. In gewisser Weise hatte also schon Paul selbst begonnen, sich von der urspr�nglichen Konzeption einer �kleinen grammatik � f�r studenten� (1. Aufl. S. V) zu entfernen.

Rolf Thieroff, Petra M. Vogel: Flexion, Universit�tsverlag Winter, Heidelberg 2009 (Kurze Einf�hrungen in die Germanistische Linguistik, Bd. 7), 100 Seiten

  • Klaus-Peter Wegera

Mit der Darstellung zur Flexion des Deutschen ist ein weiteres B�ndchen in der sehr n�tzlichen und durch kluge Autorenwahl guten Reihe �Kurze Einf�hrungen in die Germanistische Linguistik� erschienen. Die Autoren er�ffnen mit dem treffenden Hinweis auf die stiefkindliche Rolle, die der Flexion im Rahmen der Grammatikographie im Allgemeinen zukommt. Umso mehr ist diese Einf�hrung, die damit zugleich auch eine gro�e Lakune f�llen will, zu begr��en.

Liste eingesandter B�cher

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